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•Gagnidse- Grigol Robakidse

 

 

Grigol Robakidse, ein georgischer Schriftsteller im deutschen Exil –  „zeitgemäß“ oder „unzeitgemäß“?

Dr. Nugescha Gagnidse

 

Grigol Robakidse (1880-1962) ist ein bedeutender georgischer Schriftsteller des 20. Jahrhunderts, dessen Werk eine erneute Würdigung verdient. Ihm ist es gelungen, die heimische georgische Literaturtradition mit asiatischen Mythen und den vorherrschenden philosophischen Strömungen in Westeuropa im gemeinsamen Kontext zu verbinden. Die literaturwissenschaftliche Forschung hat ihn bislang kaum Kenntnis genommen, wenn er auch neuerdings in Georgien wieder gelesen wird. Seit den achtziger Jahren wird Robakidse in seiner Heimat neu entdeckt. Es gibt jetzt Übersetzungen vieler seiner Werke ins Georgische.

Obwohl das Werk von Robakidse lange Zeit in Georgien und in der ehemaligen Sowjetunion verboten war, waren seine Romane und Erzählungen in Deutschland in den dreißiger und vierziger Jahren des vergangenen Jahrhunderts beliebt, als er dort in der Emigration lebte und auf Deutsch schrieb. Aber in der Literaturkritik ist er noch nicht etabliert. In Deutschland, wo er sehr erfolgreich war, ist er vergessen; nicht zuletzt wegen seiner politischen Nähe zum Nationalsozialismus, die es gar nicht erst zur Frage nach dem Rang dieses Dichters kommen ließ. 

 Zunächst soll Robakidse mit einigen biographischen Angaben vorgestellt werden. Er wurde 1880 im Dorf Swiri (Westgeorgien) in der Familie eines Psalmlesers geboren. Zuerst besuchte er eine kirchliche Schule, dann ein Seminar in Kutaissi. 1901 studierte er Jura an der Universität  Tartu. 1902-1906 folgte sein Studium an der Leipziger Universität. Im Jahre 1907 hörte er Vorlesungen an verschiedenen Universitäten in Frankreich. 1908 kehrte Robakidse nach Georgien zurück und veröffentlichte seine ersten Werke. Zu dieser Zeit war er einer der Begründer der modernen literarischen Gruppierungen in Georgien (der Symbolisten „Blaue Hörner“, der Union georgischer Schriftsteller); auch als Mitherausgeber der Tageszeitung Sakartvelo (dt. Georgien) betätigte er sich. Zugleich war er lebenslang politisch aktiv, und als Sekretär der georgischen Regierungsdelegation nahm er 1919 an der Friedenskonferenz zur Beendigung des Ersten Weltkriegs in Paris teil. Sein Engagement in der Befreiungsbewegung gegen die Sowjetherrschaft zwang ihn schließlich in die Emigration. 1931 ging Robakidse nach Deutschland, von 1945 bis zu seinem Tod 1962 lebte er in der Schweiz.

Robakidses Werke wurden auf Georgisch, Russisch, Deutsch, Tschechisch und Französisch veröffentlicht. Einige seiner Werke übersetzte der Autor selbst aus dem Georgischen ins Deutsche, die meisten aber schrieb er auf Deutsch, denn seit seinem Studium in Leipzig war ihm die Sprache ganz vertraut geworden.

 Folgende Werke erschienen im Eugen Diederichs Verlag in Jena und im Insel-Verlag Leipzig: 

Das Schlangenhemd: ein Roman des georgischen Volkes. Vorwort Stefan Zweig 1928

Megi – ein georgisches Mädchen 1932; 1943

Kaukasische Novellen 1932 (als einziges Werk neu aufgelegt bei Suhrkamp 1979)

Die gemordete Seele: Roman 1933; 1937 

Der Ruf der Göttin 1934; ca. 1940

Dämon und Mythos 1935

Die Hüter des Grals: Roman 1937

Adolf Hitler, von einem fremden Dichter gesehen 1939; 1941; 1942; 1942 

Mussolini, der Sonnengezeichnete. 1941; 1942 

Mussolini: Visionen auf Capri. 1942.

 

Eine erneute Auseinandersetzung mit Robakidse bedingt, sein Leben und Werk mit dem kritischen Blick von heute gründlich zu untersuchen, die Rezeption seiner Werke in Deutschland zu erforschen und im Kontext des literarischen Umfelds zu beleuchten, vor allem im Zusammenhang der philosophisch-literarischen Strömungen in Europa. Bei seinem langen Auslandsaufenthalt kam Robakidse mit den am Anfang des 20. Jahrhunderts in Mitteleuropa herrschenden literarisch-ästhetischen und philosophischen Strömungen in Kontakt, die sogleich für sein Schaffen sehr wichtig wurden. Aber sein Hauptthema war immer Georgien, seine Vergangenheit und seine Zukunft. Er war überzeugt, dass die Kultur umso individueller ist, je universaler sie ist.[1] 

         Anfang des 20. Jahrhunderts und im Ersten Weltkrieg herrschte in Europa ein weit verbreitetes Gefühl der Einsamkeit und Heimatlosigkeit in einer für die Menschen häufig destruktiven Industriegesellschaft, die sie mit elenden Lebensbedingungen bedrohte. So kam Hannah Arendt zu der Einsicht: „Was moderne Menschen so leicht in die totalitären Bewegungen jagt und sie so gut vorbereitet für die totalitäre Herrschaft, ist die allenthalben zunehmende Verlassenheit“.[2] Die Gefühle der Entfremdung und der Verlassenheit, überhaupt in einer zerbrochenen Welt zu leben, trieben viele Menschen auf der verzweifelten Suche nach Halt durch eine Gemeinschaft in die Arme der totalitären Bewegung. Und solch ein Heimatloser und Einsamer – Grigol Robakidse – suchte seine zweite Heimat im Dritten Reich, als große deutsche Schriftsteller ihrerseits bald in die Emigration flüchten mussten. Den weit verzweigten und tiefen Wurzeln dieser Suche möchte ich in meiner Arbeit nachgehen. 

             Beachtenswert ist in diesem Zusammenhang seine Bekanntschaft mit Stefan Zweig, der zum Schlangenhemd 1928 das Vorwort schrieb. Zehn Jahre später musste auch Zweig seine Heimat verlassen und ins Exil gehen. Schwärmerisch waren sie beide veranlagt, und so mag ihre Begeisterungsfähigkeit für die gelungene Ausdrucksform das verbindende Band gewesen sein. Im Vorwort zu Das Schlangenhemd betonte Stefan Zweig die betörende Wirkung der Lektüre: „Jedes Blatt hat brennende, balladische Momente einer ganz fremdartigen Schönheit, und obwohl das Gefühl nicht deutlich zu unterscheiden vermag, wem es eigentlich diesen exotischen, wie Rosenöl und Haschisch betäubenden Duft zu danken hat, dem Dichter Robakidse oder Georgien selbst, so gibt es sich dem Neuartigen gefangen“.[3] Mit anderen Worten, Zweig konnte sich der Wirkung seiner sinnlich-ästhetischen Sprache, dieser Faszination durch das Lyrische, das auch von Robakidses Prosawerk ausgeht, nicht entziehen. Umso deutlicher scheint es auf in den großartigen Gedichten, die Robakidse auf Georgisch schrieb und die leider noch nicht in Übersetzungen vorliegen.  

Für georgische Forscher und Leser ist in Deutschland vorhandenes Material über Robakidse fast unbekannt. Um das Schaffen des kontroversen Autors zu bewerten,  suchen wir seine Spuren überall _ sowohl im Ausland, als auch in seiner Heimat. Für deutsche Leser können auch die Arbeiten eines deutsch schreibenden Schriftstellers aus Georgien interessant sein. Besonders dann, wenn im Mittelpunkt seines Schaffens solche Fragen stehen wie z.B. die georgische Geschichte und asiatische Mythen, das Weltbild Georgiens, die Parallelen in Geschichte und Wesenart der Deutschen und Georgien, Sozialismus und Nationalsozialismus und wenn er Porträts der Führergestalten Hitler, Musolini und Stalin zeichnet.

          Die Frage drängt sich auf, warum das Werk von Robakidse in seiner sowie in unserer Gegenwart sowohl in Georgien als auch in Deutschland „unzeitgemäß“ und zugleich „zeitgemäß“ ist. Überlegungen zu Nietzsche führen hier weiter.

           Robakidses ganzes Schaffen wurde nicht nur von der georgischen Mythologie, sondern auch von modernen philosophisch-literarischen Ansichten geprägt, darunter besonders dem Nietzscheanismus, und hier steht die Idee der ewigen Wiederkunft des Gleichen im Vordergrund. Nietzsche hatte mit seiner Lehre nachweislich eine besondere Bedeutung für Robakidse, der sich sein Leben lang auf ihn bezog.

             Der Begriff des „Zeitgemäßen“ erhält in Nietzsches Lehre eine besondere Bedeutung und wird zum Ziel seiner vehementen Kulturkritik als Kritik an der bestehenden Humanität.  Diese Kritik Nietzsches umfasst alle Bereiche des Lebens und der Kunst, der Philosophie und des Mythos, der Literatur und der Politik. So sind, nach Löwith, die „Unzeitgemäßen Betrachtungen“ „eine Diagnose der Zeit und ein Versuch, aus dem Zerfall des Bestehenden einen Ausweg zu finden.“[4] Sie sind „unzeitgemäß“, weil es eine „die Zeit überhaupt übersteigende Lehre von der Zeit und vom Sein“[5] ist. Nietzsche versuchte sein ganzes Leben lang, „seine Zeit in sich zu überwinden, zeitlos zu werden“.[6] Nicht zufällig ist solches Streben auch für den georgischen Dichter charakteristisch. Obwohl Nietzsche seine gegen seine Zeit gerichteten Betrachtungen „unzeitgemäß“ nannte und auf radikale Umwälzungen des Bestehenden drängte, empfand er in den „Unzeitgemäßen Betrachtungen“ trotzdem sein „Unzeitgemäßes“ noch als zu „zeitgemäß“.

Die scharfe Kritik Robakidses am Marxistischen Sozialismus, dem totalitären System in der Sowjetunion (was er für „zeitgemäß“ hielt), war für das sozialistische Georgien und besonders für die sowjetische Realität ganz „unzeitgemäß“. Die Analyse der Strukturen von Sozialismus und Kommunismus in seinem Werk wurde allmählich bekannt und gewann großen Einfluss. In Die gemordete Seele finden wir zum Beispiel Porträts der größten Politiker dieser Zeit, unter ihnen Stalin. Robakidses Einschätzung des sozialistischen Regimes scheint aus der heutigen Perspektive absolut „zeitgemäß“. Aber es ist die Frage, wie er Nationalsozialismus und Faschismus verstand und weshalb er sich begeistert der totalitären Bewegung in Deutschland anschloss, wenn er das gleichfalls totalitäre sozialistische Regime hasste. Warum passten seine Werke in die nationalsozialistische Ideologie? Warum interessierten sich die Verleger für sie und veröffentlichten sie mehrmals? Wenn man heute über diese Probleme diskutiert, muss man unbedingt die Heimatlosigkeit dieses Schriftstellers im Exil berücksichtigen, der auch in der Ferne im Mythos zu Hause war.

In der weiteren Erforschung des Werks von Robakidse im Vergleich zu Nietzsche sehe ich eine lohnende und interessante Aufgabe, weil sich beide gegenseitig erhellen. Besonders zu untersuchen ist, wie Robakidse Nietzsches Idee der ewigen Wiederkehr verarbeitet, wie er seine Vorstellungen von antiker und moderner Kunst, Mythologie und Romantik, Dekadenz und Nihilismus, „Erlösungsproblem“ und „Übermensch“ sich anverwandelt. Allerdings ist gerade das Schaffen von Robakidse nicht nur Ausdruck der Ideen des 20. Jahrhunderts, es muss auch im Kontext der politischen und sozio-ökonomischen Lage in beiden Ländern, Georgien und Deutschland (bzw. Sowjetunion und Drittes Reich), betrachtet werden.

Grigol Robakidse war schon als junger Mann begeistert von Nietzsches Werk.  Die philosophisch-ästhetischen und literarischen Ansichten von Nietzsche standen in seinen Vorlesungen  vor der Emigration aus Georgien immer im Vordergrund.

Schüchtern wagte ich mich an Nietzsche heran: etwas zog mich an, aber gleichzeitig hielt mich etwas zurück. Die Idee des Uebermenschen schien mir nicht besonders stark, soweit sie in „Zarathustra” aufgerollt ist. Dafür aber war ich von dem dionysischen Phänomen („Geburt der Tragödie”) gefesselt. Noch mehr aber von der Idee der ewigen Wiederkunft. Darin lag für mich wirklich etwas Dämonisches. Diese Idee quälte mich lange.[7]

 

Wie bei Nietzsche ist auch bei Robakidse die Antike ein ideales Vorbild, wo die ewige Wiederkehr des Gleichen besonders bedeutungsvoll ist. Die ewige Wiederkunft des Gleichen mit ihren ethischen, kosmologischen und politischen Bedeutungen spielt daher eine wichtige Rolle im Schaffen von Robakidse; sie steht im Mittelpunkt seiner Romane Schlangenhemd, Die gemordete Seele und Megi. Wie wesentlich Nietzsches Einfluss auf das Schaffen von Robakidse ist, betonte er selbst: „Das Dionysische hat mich bezaubert – umso mehr auch die Idee der ewigen Wiederkunft“,  schrieb er in der autobiographischen Schrift Mein Leben. Aber er war gegen die zeitgenössischen Wissenschaftler, gegen  ihre Erklärung dieser Idee. Robakidse war lange auf der Suche nach dem Wesen der ewigen Wiederkunft, bis ihm im Jahre 1916 eine plötzliche Eingebung kam. Damals war der Schriftsteller im Iran, und zu dieser Zeit war der Einfluss dieses Landes und des Gilgamesch auf ihn riesig.

In Hamadan, der alten Stadt der Midier [Meder] Ekbatana, ergriff mich plötzlich ein Bild: alles, was geschieht, geschieht so, als ob es schon geschehen wäre. Wieder die Idee der ewigen Wiederkehr. Aber diesmal empfand ich diese Wiederkunft anders. Nicht die ewige Wiederkehr des Einzelnen zu sich selbst, wie bei Nietzsche, sondern die Wiederkehr des Einzelnen zu sich selbst im Einzelnen -, so schien es mir. Ich versichere dem Leser, daß es sich hier nicht um eine „Umwortung aller Worte“ handelt. Hier ist etwas ganz anderes. Diese Idee fand später greifbare Bilder in meinem Roman „Das Schlangenhemd“.[8]

 

Die Idee der ewigen Wiederkunft des Gleichen ist eine Hauptidee bei Nietzsche, die ihren Höhepunkt in der Schlussszene von Zarathustra erreicht. Diese Idee ist schwer zu verstehen und hat ganz verschiedene Interpretationen erfahren. Im Nachwort einer georgischen Übersetzung des Romans Also sprach Zarathustra von Erekle Tatischwili formuliert der georgische Wissenschaftler Thamas Buatschidse seine Deutung dieses Gedankens von der ewigen Wiederkunft. Er behauptet, dass die Vergangenheit unendlich und ewig ist. Was in jedem Augenblick geschieht, ist schon mehrmals geschehen. Das bedeutet, dass die Vergangenheit und die Zukunft nicht gegeneinander stehen, wie es heute erscheint. Der Zeitlauf wird wie ein Kreis dargestellt. Alles wiederholt sich. Der Fortschritt ist gleichzeitig Rückschritt. Nach Nietzsche erleidet die Welt der Kräfte keine Verminderung, andernfalls wäre sie in der endlichen Zeit schwach geworden und zu Grunde gegangen.

Die Welt der Kräfte erleidet keinen Stillstand: denn sonst wäre er erreicht worden, und die Uhr des Daseins stünde still. Die Welt der Kräfte kommt also nie in ein Gleichgewicht, sie hat nie einen Augenblick der Ruhe, ihre Kraft und ihre Bewegung sind gleich groß für jede Zeit. Welchen Zustand diese Welt auch nur erreichen kann, sie muß ihn erreichet haben und nicht einmal, sondern unzählige Male.[9]

 

Damit trifft Thamas Buatschidse, wie ich meine, auch die Ansichten von Robakidse genau.

              Ebenso wie Zarathustra von Nietzsche ist Das Schlangenhemd von Robakidse ein Werk der Verwandlungen, reich an archaischen Bildern, nicht ein Werk der Theoreme. Mit Zarathustra und Schlangenhemd wird eine Häutung durchlebt, ein Prozess, an dessen Ende Genesung und Gesundung steht oder stehen soll. Es bleibt der Gedanke der ewigen Wiederkunft in der Gestalt der Lehre übrig, weil er jetzt durchlebt wurde. Die Verwandlungskraft der Wiederkunft taugt nicht richtig zur Ethik, aber  umso mehr zur Lehre und zur Politik, am besten der großen Politik. In der Zusammenschau von Nietzsches und Robakidses strategischen Begriffen kann die Wiederkunftslehre in der Unschuld des Werdens sublimiert werden, für die die ewige Wiederkunft ein Mittel ist. Das ateleologische Denken, das bei Nietzsche und Robakidse immer präsent gewesen ist, verschärft sich; bei beiden Denkern finden wir das Ende aller Teleologie.

     Auch bei Robakidse kennt der Mythos keinen Zeitlauf und auch keine Vergangenheit, keine Gegenwart und keine Zukunft. Im Mythos sind die Ewigkeit und die Gegenwart ein und dieselbe, d.h. was im Mythos existiert, existiert auch hier und heute. Hier kreuzen sich der Mythos und die ewige Wiederkunft und stellen eine harmonische Synthese dar. Dabei erhält die Idee der ewigen Wiederkunft im Schaffen von Robakidse eine konkrete Gestalt. Er vereint außer der Antike auch die georgische, kaukasische und vorderasiatische Mythologie. Der aus dem Mythos bekannte Archibald Makasch bzw. Artschil Makaschwili ist eins mit dem zum Mythos gewordenen Großfürsten Irubak Irubakidse, und umgekehrt (Das Schlangenhemd). Megi und Medea sind ein und dieselbe (Megi ein georgisches Mädchen). Julitta ist Dali (die Jagdgöttin in der georgischen Mythologie) und umgekehrt (Dali). Kawalla ist eine Amazone. Die Amazone aber stellt Kawalla dar (falestra, dt. Palaestra).

In  den Werken von Robakidse wiederholen sich nicht nur Gestalten, Naturbilder, Charaktere, Eigenschaften. Artschibald Mekesch, Wamech Laschch, Megi, Kavala, Iwlite haben die gleichen Merkmale wie mythische Gestalten.

Die Idee der ewigen Wiederkehr des Gleichen enthält bei Robakidse einen historischen und zugleich politischen Charakter, denn der Anfang des 20. Jahrhunderts war in Folge der Russischen Revolution eine der schwersten Perioden in der Geschichte Georgiens, als Georgien als sozialistische Republik etabliert wurde und Robakidse, wie andere Schriftsteller und Künstler auch, unter Verfolgungen zu leiden hatte. Deshalb emigrierte er und konnte nie mehr zurückkehren. Der Schriftsteller richtete seine Zukunftshoffnung auf eine goldene Epoche, die er in der Vergangenheit suchte. Deshalb wird diese Idee der ewigen Wiederkehr in seinen Romanen als Hoffnungsquelle dargestellt.

             Im Jahre 1913 veröffentlichte Robakidse ein Mysterienspiel mit dem Titel Maia. Maia bezeichnet im vedischen Mythos die Eigenschaft der Heiligen – Metamorphose, Illusion, Vorstellung. Diese allegorisch eingesetzte Figur steht bei Robakidse in einem größeren Funktions- und Bedeutungszusammenhang, so dass er das in diesem Werk dominierende Hauptmotiv der Heiligenfigur später in Londa und Das Schlangenhemd variiert wiederholt. Die Idee der ewigen Wiederkehr und Maia, Glaube und Zweifel, Sentimentalismus und Hoffnung sind verschiedene Seiten des Problems.

Grigol Robakidse war einerseits überzeugt, dass die ewige Wiederkunft im realen Leben existiert. Andererseits wollte er sich wohl angesichts der schweren sozial-politischen und geistigen Lage seiner Heimat durch Illusion und Vorstellung selbst beruhigen und auch anderen durch sein Streben nach Zeitlosigkeit zur Überwindung der Fesseln in der Gegenwart helfen. Beides verschränkt sich in seinem Schaffen. Daher gilt es, den Platz dieses „zeitgemäßen“  sowie „unzeitgemäßen“ Dichters in der Literaturgeschichte neu zu bestimmen.

Zum Schluss möchte ich zusammenfassend sagen, dass die Rolle von Robakidse in der georgischen Literatur sehr bedeutend ist. Er war ein Vermittler der europäischen philosophischen-ästhetischen und literarischen Ansichten in Georgien, wo er im ersten Jahrzehnt des 20. Jahrhunderts zu den Begründern der Moderne und des Avantgardismus gehörte und Gründungsmitglied des Schriftstellerverbands war. Er wirkte als Publizist, Journalist, Essayist und Schriftsteller, in dessen Werk man die Stimmung seiner Epoche ganz deutlich spüren kann. Für die deutschen Leser ist er ein fremder Dichter, der sie mit dem Geist, der inneren Welt der Georgier, ihren Werten und Neigungen bekannt macht. Indem er die georgische Kultur reflektiert, spiegeln sich auch die Probleme des Abendlandes. Dabei zeigt Robakidse Parallelen in Geschichte und Wesenart der Deutschen und Georgier in seinen Büchern auf und versucht uns eine besondere Schau der west-östlichen Synthese zu geben.

 

                   

 Literaturverzeichnis

 

Arendt, Hannah, Elemente und Ursprünge totaler Herrschaft (1951), 9. Aufl. München 2003  

Bakradse, Akaki, Kardu anu Grigol Robakidsis Zchowreba da Gwazli. Tbilissi 1999.

Bertram, Ernst, Nietzsche – Versuch einer Mythologie. Bonn. 1965.       

Chotiwari-Jünger, Steffi, „Der georgische Schriftsteller Grigol Robakidse in Deutschland“, in: Mitteilungsblatt der Berliner Georgischen Gesellschaft, 29-31 (1994): 8-20.

—, „Neue Dokumente zur Herausgabe des Romans Das Schlangenhemd von Grigol Robakidse“, in: Georgica 18 (1995): 77-82.

Karmann, Rudolf, „Grigol Robakidse“ Osteuropa: Zeitschrift für Gegenwartsfragen des Ostens, in der Sektion „das Portret“:. 13. Jg. 1963 Heft 9: S. 649-653.

Löwith, Karl, Von Hegel zu Nietzsche: Der revolutionäre Bruch im Denken des neunzehnten Jahrhunderts.  7. Aufl. Hamburg 1978.

Nietzsche, Friedrich, Sämtliche Werke. Kritische Studienausgabe in 15 Bdn. (KSA), Hg. von Giorgio Colli und Mazzino Montinari. Berlin/New York 1980.

_, Der Fall Wagner, KSA 6.

_, Nachgelassene Fragmente, KSA 9.

Ottmann, Henning, Hrsg., Nietzsche-Handbuch. Leben – Werk – Wirkung. Stuttgart. Weimar 2000. 

Robakidse, Grigol,  Das Schlangenhemd: ein Roman des georgischen Volkes. Vorwort Stefan Zweig 1928.

Robakidse, Grigol, Gwelis Perangi. Tbilissi 1989.

, tschemtwis Simartle kwelaperia. Tbilissi 1996.

 


[1] Grigol Robakidse,  tschemtvis simartle kvelaperia. Tbilissi 1996,  32.

[2] Hannah Arendt, Elemente und Ursprünge totaler Herrschaft (1951), 9. Aufl. München 2003, S. 978.

[3] Grigol Robakidse,  Das Schlangenhemd: ein Roman des georgischen Volkes. Vorwort Stefan Zweig,  Jena 1928.

[4] Karl Löwith, Von Hegel zu Nietzsche: Der revolutionäre Bruch im Denken des neunzehnten   Jahrhunderts.  7. Aufl. Hamburg 1978, 492.

[5] Friedrich Nietzsche, Der Fall Wagner. In  Sämtliche Werke. Kritische Studienausgabe in 15 Bdn. Hrsg. von Giorgio Colli und Mazzino Montinari. Berlin/New York 1980 Bd. 6, 11.

[6] Ebenda, S. 11.

[7] Grigol Robakidse, „Mein Lebenslauf“ in: Die literarische Welt, 9. Jg. Nr. 25 vom 23.6.1933, 5.

[8] Grigol Robakidse, „Mein Lebenslauf“ in: Die literarische Welt, 9. Jg. Nr. 25 vom 23.6.1933, S. 6.

[9] Friedrich Nietzsche, Nachgelassene Fragmente. In  Sämtliche Werke. Kritische Studienausgabe in 15  Bdn. Hrsg. von Giorgio Colli und Mazzino Montinari. Berlin/New York 1980 Bd. 9, S. 498.

 

 

Grigol Robakidse, ein georgischer Schriftsteller im deutschen Exil – „zeitgemäß“ oder „unzeitgemäß“? In: Kulturelle Vielfalt deutscher Literatur, Sprache und Medien. Hg. Hiltraut Casper-Hehne/ Irmy Schweiger. Göttingen 2009.

 

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  Grigol Robakidze

 Grigol Robakidze – Vom Weltbild der Georgier

რობაქიძე – რა უნდა აგონდებოდეს ქართველს

 Grigol Robakidze – La Georgie a L’epoque des Croisades

Grigol Robakidse – Stalin als Ahrimanische Macht

 

 

 

 

 

One Response to “•Gagnidse- Grigol Robakidse”

  1. Silas Sverchek said

    Of course, what a great site and informative posts, I will add backlink – bookmark this site? Regards, Reader

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